Schloss Weesenstein im Müglitztal: Pferdeställe im fünften Stock, ein König, der Dante übersetzte, und eine Folterkammer, die Dürer-Zeichnungen rettete.

Wer heute durch die Gänge streift, spürt sofort, dass hier die physikalischen Gesetze der Etagenplanung kurz Urlaub gemacht haben: Es fühlt sich an, als hätte jemand den Keller nach oben geschoben und den Dachboden kurzerhand in den Fels gedrückt.

Weesenstein taugt jedoch nicht nur zur Einkehr, sondern auch als Tresor. Als Europa sich in den Kriegsjahren selbst demontierte, wurde das Schloss zum geheimen Hafen für Dresdner Kunstschätze.

Es wirkt nicht museal konserviert, sondern immer wieder neu angezündet. Wer nach dem Rundgang durch die Geschichte noch Luft hat, sollte einfach im Tal verweilen.

Alles begann im 13. Jahrhundert als robuste Festung – rein praktisch gedacht, ohne jeden Sinn für Romantik, dafür mit viel Fokus auf Schutz und Macht.

Johann war ein Denker, ein Dante-Leser mit beachtlicher Ausdauer. In der Abgeschiedenheit von Weesenstein übersetzte er die ‹Göttliche Komödie› ins Deutsche – veröffentlicht unter dem Decknamen Philalethes, ‹Freund der Wahrheit›.


